Das Leben bricht sich Bahn

Das Leben bricht sich Bahn
Büttgen, 28. Juli 2026

Pantropische Zimmerpflanze, mittlerweile über drei Meter hoch

Vor sieben Jahren habe ich eine große Zimmerpflanze „geerbt“, eine Schefflera actinophylla, als Heikes Mutter ihr Haus aufgab. Bei ihr ragte der Regenschirmbaum (Queensland-Strahlenaralie) bereits an die Zimmerdecke heran, bei mir ist er seitdem noch weiter in die Höhe geschossen, immer dem Licht entgegen, das in meinem Wohnzimmer reichlich vorhanden ist.

Dennoch sind ihm an einem längeren Teilstück auf halber Strecke zwischen Wurzel und Krone irgendwann die handförmig zusammengesetzten Blätter ausgefallen, ich weiß auch nicht, warum. Ist auch bestimmt schon zwei Jahre her.

Doch nun bilden sich an diesem kahlen Stammstück wie von Geisterhand plötzlich neue zarte Austriebe mit Blättern. Vielleicht, weil ich die Pflanze in diesem Frühjahr fleißig gedüngt habe, vielleicht weil es der Natur einfach so gefällt. Für mich auf jeden Fall ein kleines Wunder.

Das Leben bricht sich Bahn

Hier kommen die zarten Austriebe an einem bislang kahlen Aststück

( Michael Tischer )

Richard Paul Lohse

Richard Paul Lohse
Bottrop, 27. Juli 2026

Richard Paul Lohse, Dreißig systematische Farbtohnreihen, 1950/55

Als Highlight im 50sten Jubiläumsjahr präsentiert das von mir sehr geschätzte Josef Albers Museum im Museumszentrum Quadrat Bottrop derzeit eine umfassende Einzelausstellung des Schweizer Malers, Grafikers und Theoretikers Richard Paul Lohse (1902–88).

Im Jahr 1976 war ihm die erste Einzelausstellung im frisch eröffneten „Quadrat“ gewidmet, weil sein Werk große Parallelen zu dem von Josef Albers aufweist und doch ganz anders ist.

Lohse war einer der Hauptvertreter der konkreten Kunst und gilt heute als Begründer der seriellen Kunst.1937 gründete er zusammen mit Leo Leuppi die „Allianz“, eine avantgardistische Vereinigung moderner Schweizer Künstler.

Während des Zweiten Weltkrieges engagiert sich Lohse im politischen Untergrund. Er unterstützt Emigranten, teilweise auch durch illegale Aktivitäten. In einer antifaschistischen Organisation lernt er seine zukünftige Frau Ida Dürner kennen.

Als Maler war Lohse Autodidakt und experimentierte mit verschiedenen Stilen. Zu seinem Frühwerk gehören expressionistische Stillleben und Landschaftsmalerei sowie kubistische Bilder. Obwohl er sich fortan hauptsächlich mit der Malerei auseinandersetzte, arbeitete er bis in die 1960er Jahre weiterhin als Grafiker für Zeitschriften. Einem größeren Publikum wurde er als Teilnehmer der 4. documenta (1968) und der Documenta 7 im Jahr 1982 in Kassel bekannt.

( Michael Tischer )

Elfenmaar in der Trockenzeit

Elfenmaar in der Trockenzeit
Elmpt, 26. Juli 2026

Die Heidegräser leuchten aufgrund der anhaltenden Trockenheit schon jetzt lila

Immer wieder schön, im Elfenmaar an der deutsch-niederländischen Grenze kurz vor Roermond unterwegs zu sein. Doch so trocken habe ich das beliebte Naturschutzgebiet im Sommer noch nicht erlebt.

Große Anteile der Flächen mit Farnen sehen bereits jetzt richtig braun aus, weil so lange kein Regen mehr gefallen ist. Auch viele Gräser darben, sofern sie nicht in den Niederungen der Vennseen liegen, die das Gebiet durchziehen. Farblich sieht das interessant aus, aber es kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass es endlich mal wieder regnen muss.

( Michael Tischer )

Feuerwerk und Drohnenshow

Feuerwerk und Drohnenshow
Düsseldorf, 25. Juli 2026

Von 1.200 Drohnen in den Himmel gemalt: ein Hoch auf die Fortuna.

Zum zweiten Mal wird das große Feuerwerk in der letzten Woche der Düsseldorf Rheinkirmes durch eine aufwändig choreografierte Drohnenshow ergänzt. In diesem Jahr sind 1.200 Drohnen im Einsatz, die wechselnde Bildmotive mit Bezug zu Düsseldorf in den Himmel malen. Ich habe das Gefühl, im Vergleich zum vergangenen Jahr ist die Show noch ein wenig professioneller geworden.

Auch das anschließende Feuerwerk fällt wirklich bombastisch aus. Ein Highlight jagt das nächste. Die geschätzt eine Million Besucher kommen jedenfalls voll auf ihre Kosten. Am Ende der mehr als vierzigminütigen Show gibt es anhaltenden Applaus.

( Michael Tischer )

Fotografien von Laurenz Berges

Fotografien von Laurenz Berges
Düsseldorf, 24. Juli 2026

Werk aus der Ausstellung im KIT

Als Teil des asphalt Festivals 2026 zeigt das KIT Düsseldorf derzeit Fotografien von Laurenz Berges, einem der letzten Meisterschüler von Bernd Becher an der Kunstakademie. Heute ist Berges selbst ein international renommierter Fotokünstler. Er lebt und arbeitet in Düsseldorf.

Immer wieder dokumentiert Berges verlassene Orte, wobei er ausschließlich das vorgefundene Licht nutzt und konsequent auf Inszenierung verzichtet. Seine Bilder sind stille Zeugnisse gesellschaftlicher und politischer Umbrüche, etwa des Strukturwandels in Nordrhein-Westfalen.

Vormals lebendige Städte und Gemeinden verlieren einen Teil ihrer Bevölkerung, Privatwohnungen werden verlassen, ohne dass eine neue Generation nachrückt. Menschen tauchen auf den Fotografien von Laurenz Berges selten auf, doch er dokumentiert die Spuren, die sie vor ihrem Verschwinden über viele Jahre hinweg hinterlassen haben.

In der besonderen Architektur des KIT mit ganz viel Sichtbeton und konvexen Formen entfaltet sich ein visuelles Archiv, das den leisen Nachhall gelebten Lebens sichtbar macht.

( Michael Tischer )

10 Jahre Sammlung Philara

10 Jahre Sammlung Philara
Düsseldorf, 23. Juli 2026

Die Sammlung Philara in der ehemaligen Glasfabrik Lennertz in Düsseldorf Flingern

Unter dem Titel „House of Balagan“ präsentiert die Sammlung Philara anlässlich ihres zehnjährigen Bestehens in Düsseldorf Flingern eine umfassende Auswahl aus der Sammlung Gil Bronners. Die Kollektion des Immobilien-Entwicklers und Philara-Gründers umfasst heute annähernd 2000 Werke.

Das nach Bronners Kindern benannte Ausstellungshaus in der ehemaligen Glasfabfrik Lennartz hat sich in den vergangenen Jahren als wichtiger Bestandteil der zeitgenössischen Kunstszene in Düsseldorf etabliert. Gezeigt wird eine große Bandbreite an Einzel- und Gruppenausstellungen, sowie Tanz, Theater, Konzerte, Talks und Symposien

Der Titel der aktuellen Jubiläumsausstellung „Balagan“ stammt aus dem Jiddischen und bedeutet so viel wie sympathisches Chaos, Durcheinander oder Kuddelmuddel. Der Begriff beschreibt eine verwirrende oder zumindest unübersichtliche Situation, was dem in Interviews immer wieder bekundeten Selbstempfinden von Bronner über seine Sammlungstätigkeit wohl nahekommt.

In „House of Balagan“ treffen großformatige Installationen von Melissa Gordon oder Tarik Kiswanson auf kleine, intime Papierzeichnungen von Rosa Loy oder Corinne von Lebusa. Auch Bronners allererster Ankauf vom Anfang der 1990er Jahre ist in der Ausstellung zu sehen: das Bildnis „Der Seher“ des spanischen Künstlers Miguel Ángel Campano.

Ein Teil der Ausstellung setzt mit gesellschafts- und geschichtspolitischen Bezügen inhaltliche Schwerpunkte, etwa beim Thema Körperlichkeit. Ein spannendes Potpourri mit Werken von teils bereits etablierten, aber auch aufstrebenden Künstlern.

( Michael Tischer )