Nein, ich möchte nicht ins Fernsehen

Nein, ich möchte nicht ins Fernsehen
Büttgen, 5. Juni 2026

Von mir mithilfe der KI erzeugtes Bild in Magritte-Style

Lustig, ich denke ja immer, mein Blog wird nur von meinen zwei Dutzend Freunden und Bekannten gelesen. Aber offensichtlich stimmt das nicht so ganz.

Dieser Tage kontaktierte mich eine TV-Produktionsgesellschaft aus Hamburg, die gerade im Auftrag von ARTE an einer Dokumentation über den belgischen Surrealisten René Magritte arbeitet. Magritte soll in dem Streifen als eine Art Wegbereiter der KI-Kunst präsentiert werden.

Ob ich mir vorstellen könnte, in dieser Sendung, deren Ausstrahlung für den Herbst geplant ist, als Experte für Kunst und KI aufzutreten? Ich hätte da doch so viel Kunst und IT auf meinem Blog und sei ja offensichtlich ein wahres Multitalent. „Danke für die freundliche Ansprache“, habe ich da spontan gedacht, „der Tag ist gerettet“.

Nun muss ich gestehen, dass ich ARTE tatsächlich sehr schätze. Alles andere könnten man von mir aus abschalten, insbesondere das gesamte Privatfernsehen. Gerne sofort.

Und obwohl so eine Anfrage natürlich immer auch ein wenig schmeichelt, fiel es mir nicht schwer, abzulehnen. Ich bin gerade zu sehr mit meinem Studium beschäftigt und auch in keiner Weise scharf darauf, im TV als „Computer- und Kunst-Experte“ aufzutauchen. Zu viel der Ehre.

Mein kleiner Blog hier reicht mir als Sprachrohr und Tagebuch vollkommen aus. Wird ja offensichtlich auch gelesen. Aber ich werde mir die Magritte-Doku im Herbst sicher mit Interesse anschauen und dann auch feststellen, wen sie stattdessen als „Experten“ engagiert haben.

( Michael Tischer )

Erich Kästner: Der Juni

Erich Kästner: Der Juni
4. Juni 2026

Aus Gras wird Heu. Aus Obst Kompott.

von Erich Kästner, 1955

Die Zeit geht mit der Zeit: Sie fliegt.
Kaum schrieb man sechs Gedichte,
ist schon ein halbes Jahr herum
und fühlt sich als Geschichte.

Die Kirschen werden reif und rot,
die süßen wie die sauern.
Auf zartes Laub fällt Staub, fällt Staub,
so sehr wir es bedauern.

Aus Gras wird Heu. Aus Obst Kompott.
Aus Herrlichkeit wird Nahrung.
Aus manchem, was das Herz erfuhr,
wird, bestenfalls, Erfahrung.

Es wird und war. Es war und wird.
Aus Kälbern werden Rinder
Und weil’s zur Jahreszeit gehört,
aus Küssen kleine Kinder.

Die Vögel füttern ihre Brut
und singen nur noch selten.
So ist’s bestellt in unsrer Welt,
der besten aller Welten.

Spät tritt der Abend in den Park,
mit Sternen auf der Weste.
Glühwürmchen ziehn mit Lampions
zu einem Gartenfeste.

Dort wird getrunken und gelacht.
In vorgerückter Stunde
tanzt dann der Abend mit der Nacht
die kurze Ehrenrunde.

Am letzten Tische streiten sich
ein Heide und ein Frommer,
ob’s Wunder oder keine gibt.
Und nächstens wird es Sommer.

( Michael Tischer )

Fotoserien von László Moholy-Nagy

Fotoserien von László Moholy-Nagy
Moyland, 3. Juni 2026

László Moholy-Nagy, Spirals (Licht-Raum-Modulation), 1945

Als die Kunstbegeisterung mich in meinen frühen Zwanzigern so richtig packte, war der Ungar László Moholy-Nagy (1895-1946) einer meiner ersten Helden. Ich glaube, ich habe seine Arbeiten damals in einem Kunstbuch über den Konstruktivismus entdeckt und war total fasziniert.

Kein Wunder also, dass ich gleich ‚On‘ war, als ich am Wochenende bei meinem Besuch auf Schloss Moyland im Basement auf fotografische Arbeiten von Moholy-Nagy gestoßen bin. Die ausgestellten Werke im Besitz des Museums gehen auf die leidenschaftliche Sammlertätigkeit der Brüder Hans (1929–2002) und Franz Joseph (1933–2020) van der Grinten zurück, deren Engagement den Grundstein für das heutige Museum legte.

Die teilweise bereits 95 Jahre alten Fotos, die in Teilen dem Konstruktivismus zuzurechnen sind, haben für mich etwas Historisches und gleichzeitig ganz modernes. Sie werden auf Moyland zusammen mit Fotografischen Arbeiten von Hildegard Weber gezeigt, die 1964 Aufnahmen zur Aufführung von „Part of Sextett“ an der staatlichen Kunstakademie, Düsseldorf, erstellt hat. Die Begegnung mit diesen Werken hat meinen Besuch auf Moyland noch einmal zusätzlich versüßt.

( Michael Tischer )

Die Seerosen im Garten blühen

Die Seerosen im Garten blühen
Büttgen, 2. Juni 2026

Haben den Winter und die Umsetzung doch überlebt: unsere Teichrosen.

Im letzten Herbst hatte ich unseren Gartenteich saniert und mit Folie ausgelegt, weil die Betondecke über die Jahre Risse bekommen hatte. Dadurch verlor er immer mehr an Wasser. Doch für die Aktion mussten erst einmal alle Pflanzen raus, die Seerosen und der gesamte,  massive Schilfbewuchs.

Nicht alles konnte ich hinterher wieder einsetzen. Ich hatte schon Befürchtung, die schönen Seerosen seien durch die Aktion kaputtgegangen. Doch jetzt sind wieder frische Knospen und auch die ersten Blüten da. Haben sie also doch überlebt. Wunderbar! Nur beim Schilf muss ich mir noch etwas einfallen lassen.

Die Seerosen im Garten blühen

Die schwarze Teichfolie ist nicht wirklich hübsch, hält aber schön dicht.

( Michael Tischer )

Die Kunst des Armin Mueller-Stahl

Die Kunst des Armin Mueller-Stahl
Moyland, 1. Juni 2026

Armin Mueller-Stahl im Interview zu seiner Werkgruppe mit den Portraits jüdischer Persönlichkeiten

Armin Müller-Stahl, vielfach geehrter Schauspieler mit Ost-Westdeutscher Biografie, ist heute 95 und immer noch bemerkenswert rüstig und geistig super präsent. Vor 20 Jahren, 2006, hat er seine Filmtätigkeit offiziell beendet und sich nach eigenen Worten einen neuen Beruf gesucht: Als Maler und Zeichner.

Das Schloss Moyland zeigt derzeit eine umfangreiche Ausstellung seiner Werke, die auch sein Filmschaffen und die biografischen Hintergründe des künstlerischen Multitalents (Schauspieler, Musiker, Maler) nicht ausspart.

Mueller-Stahl selbst kommt in einigen Videos zu Wort, in denen er die Hintergründe ausgewählter Werkgruppen beschreibt, beispielsweise die bemerkenswerten Portraits herausragender jüdischer Künstler, Intellektueller und Persönlichkeiten.

Mich hat diese Ausstellung mit starken Gefühlen zurückgelassen. Nicht nur, weil mir viele Werke von A.M.S und sein Malstil ausgezeichnet gefallen. Es rührt mich, einen so alten Menschen zu erleben, der noch voll da ist, die Potenziale seines Menschseins bis zuletzt verwirklicht und dabei weiterhin Großes schafft. Ganz großen Respekt und auch ein Stück weit Bewunderung für dieses ausgefüllte Leben!

( Michael Tischer )

Bezauberndes Moyland

Bezauberndes Moyland
Moyland, 1. Juni 2026

Schloss Moyland umringt von Pavillons der „Frühlings-Partie“

Immer wieder ein Genuss, Schloss Moyland mit seinen herausragenden Ausstellungen, dem imposanten historischen Gebäudeensemble und dem tollen Park mit Skulpturen namhafter Künstler zu erleben.

Bei meinem Besuch der Ausstellung von Armin Mueller-Stahl lief im Park gleichzeitig die „Frühlings-Partie“ mit zahlreichen Ausstellern und Anbietern von Garten- und Mode-Acessoires bis hin zu Gemälden und lokalen Spezialitäten von nah und fern.

Mich hat das alles nicht so wahnsinnig interessiert, und trotzdem habe ich die Veranstaltung gerne mitgenommen, als bunte Umrahmung meines Kunstbesuchs. Schön, dass ich nach fünf Jahren wieder einmal auf Moyland war.

( Michael Tischer )