Polit-Kunst der Siebziger

Bilder von Peter Sorge

 Büttgen, 18. März 2026

Manchmal mag ich Kunst mit starken Botschaften. So, wie die Serien von Peter Sorge (1937-2000) vom Ende der 1960er und den 1970er Jahren. Links „Auf dem Markt wird wieder scharf geschossen“, Mitte  „Gute Besserung für Andy“ und rechts „Wege zu Kraft und Schönheit (Black Power)“ seinerzeit alle erschienen als limitierte, handsignierte Druck-Auflage.

Sorge, der nach Kriegsende in Dortmund aufwuchs und von 1958 bis 1964 in West-Berlin Kunstpädagogik studierte, ist dem Kritischen Realismus zuzurechnen. Dieser aus der Neuen Sachlichkeit der 1920er Jahre hervorgegangene Stil zog besonders Künstler an, die sich als linksstehend betrachteten und ihre Arbeiten als Waffe im politischen Kampf verstanden.

Das Engagement dieser Künstler griff ab dem Ende der 1960er Jahre insbesondere Themen wie Krieg, Unterdrückung der Frau und Manipulation durch Politiker auf. Zur Darstellung wurden Fotomontagen, aggressive Farbgebung, Deformierungen und andere karikierende Elemente genutzt. Explizit grenzten sich führende Vertreter wie Hans-Peter Alvermann, Klaus Staeck oder Peter Sorge dabei vom sozialistischen Realismus ab, der in der DDR zur Staatskunst erhoben wurde.

Durch die geschickte Wahl von Ausschnitt und Vergrößerung zerrte Sorge in seinen Bildern Gesehenes mit der Präzision eines Fotoobjektivs in den Vordergrund und pointierte Situationen mittels Fotomontage auf teils aggressiv Weise. Seine Motive rahmte er mit Rechtecken, Farbbalken und Schriftzügen. Dadurch setzte er Ausrufezeichen, ähnlich der Berichterstattung in Illustrierten.

Ästhetisch verlockende und provokante Motive stellte er dabei nachdenklichen Inhalten gegenüber, wobei er sich gleichzeitig als Berichterstatter und Voyeur empfand. Doch im Gegensatz zu den Fotorealisten reproduzierte Sorge das fotografische Vorbild nicht, sondern porträtierte es. So entwickelte er einen ganz eigenen, unverwechselbaren Stil, der auch heute nicht an Ausdrucksstärke eingebüßt hat.

( MITI )

Hilfe, ich bin schwach geworden

Meine neue Mondrian-Vase made in China, sold by Temu

 16. März 2026

Eigentlich hatte ich mir fest vorgenommen, niemals bei Temu zu bestellen. Doch Anfang des Jahres bin ich schwach geworden. Nicht bei irgendwelchen Ramschprodukten, sondern bei einem ganz süßen Designobjekt, das ich vorher so noch nirgendwo gesehen hatte: Einer Blumen-Vase aus Plexiglas im Mondrian-Stil. Die kann man auf drei verschiedene Arten hinstellen, wobei sie immer anders farbig ausschaut und ein anderes Blumen-Fach nach oben weist.

Ich bin ganz begeistert von dieser außergewöhnlichen Vase und sie war auch nicht so günstig, dass man irgendwie ein schlechtes Gewissen haben müsste. Tatsächlich habe ich sogar extra ein paar Euro mehr für den CO2-freien Versand aus China bezahlt. Damit bin ich doch fast unschuldig, oder? Haha.

( MITI )

Die zwei Foundations: Incarnate

Lu Yang, DOKU: The Flow, 2023 – klassische asiatische Spiritualität trifft auf moderne Technologie

 NE-Holzheim, 14. März 2026

Die Ausstellung „Incarnate“ führt zwei der führenden privaten Kunstsammlungen Nordrhein-Westfalens zusammen: Videokunst aus der Julia Stoschek Collection trifft auf klassische japanische und asiatische Kunst aus der Sammlung Viktor und Marianne Langen.

Ausstellungsort ist das ikonische Museumsgebäude der Langen Foundation auf der früheren Raketenstation bei Neuss-Holzheim, dessen Außenmauern derzeit mit Tarnnetzen überzogen sind, um Solidarität mit der von Russland angegriffenen Ukraine zu zeigen.

Incarnate lädt die Besucher ein, zwischen materiellen und immateriellen Welten zu wandeln und Verbindungen zwischen spirituellen Fragen und medialen Ausdrucksformen zu entdecken. In den Begegnungen von religiöser Kunst und digitalen Avataren zeigt sich, wie überliefertes Wissen und zeitgenössische Ausdrucksformen miteinander in Beziehung treten.

Die Ausstellung macht eine überraschende Nähe zwischen den metaphysischen Fragestellungen des Buddhismus und den illusionistischen Strategien zeitgenössischer Videokunst sichtbar: hier das buddhistische Misstrauen gegenüber dem äußeren Schein zugunsten einer tieferen Wirklichkeitserfahrung, dort die ambivalente Auffassung der Videobildfläche als Fenster oder Schleier. Die Auswahl der Werke ist zudem inspiriert vom Wandel des Begriffs „Avatar“ – von seinen Ursprüngen in der östlichen Philosophie hin zu seiner heutigen Bedeutung in der digitalen Kultur.

Als Begriff in der Philosophie und Theologie steht Inkarnation für das Sichtbarwerden des Unsichtbaren, die Erscheinung des Geistigen in einer endlichen, materiellen Form. Begegnungen zwischen antiken, modernen und zeitgenössischen Kunstwerken symbolisieren eine wiederkehrende Schleife zwischen Form und Inhalt, wie auch in dem Herz-Sutra, dem vielleicht am häufigsten rezitierten Text in der gesamten Tradition des Mahayana-Buddhismus, zum Ausdruck kommt: Form ist Leere und Leere ist Form.

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One-Pot-Pasta mit Brokkoli

Hier zubereitet mit Bronzo Calamari, große kurze Röhrennudeln

 Büttgen, 13. März 2026

One-Pot-Pasta-Gerichte sind mir immer die liebsten. Frisch ausprobiert: ein Rezept mit Brokkoli, Möhren, Schinken und Kräuterfrischkäse als Geschmacksträger an der Sauce. Dazu verwendet habe ich Bronzo Calamari, große kurze Röhrennudeln, die etwas dicker sind und dadurch im Kern ein wenig bissfest bleiben können, sofern man das mag.

Die Möhren, Zwiebeln und den Brokkoli zunächst in kleine Stücke schneiden. Möhren und Zwiebeln anschließend mit Öl im Topf andünsten. Dann kommen die rohen Nudeln und 1 Liter bereits erhitztes Nudelwasser hinzu. Das Ganze zum Kochen bringen, zwei Esslöffel Brühpulver, sowie Salz und Pfeffer hinzugeben und abschmecken.

Nach den ersten fünf Minuten Kochen die Brokkoliröschen hinzugeben und weiterkochen, bis die Pasta die gewünschte Konsistenz erreicht hat.

In der Zwischenzeit den Kochschinken in kleine Stücke schneiden, frische Dillspitzen klein schneiden. Nun zunächst eine Packung Kräuterfrischkäse in den Topf geben und gut unterrühren. Kurz bevor die Nudeln gar sind, noch die Schinkenstücke und den Dill hinzugeben, und fertig! Geht schnell und schmeckt schön intensiv.

In der Hoffnung, dass es mundet, habe ich gleich etwas mehr auf Vorrat gekocht

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Kirschblüte 2026: Es geht los

Zugang zum Museum Langen Foundation

 NE-Holzheim, 12. März 2026

Bei uns im Rheinland startet gerade die Kirschblüte. Heute Vormittag habe ich die Langen Foundation besucht, um zu schauen, wie weit die Blüte der Japanischen Zierkirschen dort bereits gediehen ist. Die Blüten sind tatsächlich alle da, einige haben sich auch bereits geöffnet, aber die ganz große Blüte startet wohl erst in den kommenden Tagen. Trotzdem haben sich bereits jetzt einige sehr schöne Fotomotive ergeben, finde ich.

( MITI )

Gerhard Hoehme im MKM

Eingang zur Ausstellung im Museum Küppersmühle, Duisburg

 Duisburg, 11. März 2026

In einer frisch eröffneten Wechselaustellung präsentiert das Museum Küppersmühle rund 80 Arbeiten aus dem umfassenden Schaffenswerk von Gerhard Hoehme (1920-1989) , Künstler und Kunstprofessor an den Universitäten Düsseldorf und Gießen.

Hoehme zählt zu den richtungsweisenden Künstlern der Abstraktion und des Informel in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg. Er hat ein facettenreiches, experimentelles Werk am Übergang zwischen Malerei und Objektkunst geschaffen. Seine frühen Bilder sind tachistisch-lyrisch, und ab 1957 begann er, das konventionelle Bildformat zu verlassen und verschiedene plastisch-malerische Erscheinungsformen von Farbe zu erproben.

Ab 1965 entstanden erste Raumobjekte und -installationen mit Schnüren und Schläuchen aus Kunststoff. Die aus dem Bild heraus weisende Schnur wird zu einem essenziellen Ausdrucksmittel. Hoehme sah seine Werke als Energiefelder, die unmittelbare Verbindungen zwischen Raum und Betrachter herstellen. Seine poetischen, assoziativen Bildtitel steigern die Vielschichtigkeit seiner Arbeiten und verweisen auf den intensiven Austausch mit Literatur und Musik.

Hoehme in seinem Atelier

Gerhard Hoehme setzte sich mit Geschichte, Politik und Mythos auseinander. Er war ein artiste engagé, dessen Einfluss weit über die rein formalen Aspekte seines Werkes hinausreichte. Als Professor an der Kunstakademie Düsseldorf prägte er jüngere Künstler wie Sigmar Polke oder Chris Reinecke.

Zur Zeit der Studentenunruhen 1968 und der revolutionären Lehransätze von Joseph Beuys überdachte Gerhard Hoehme an der Kunstakademie Düsseldorf in zahlreichen Texten die Situation der Akademie und entwickelte Gedanken zu Reformen.

Das früheste Bild der Schau stammt von 1951, das späteste entstand 1988, ein Jahr vor Hoehmes Tod an seinem Wohnort Neuss. Die Schau ist auf besonderen Wunsch des MM-Stifterehepaars Sylvia und Ulrich Ströher zustande gekommen, wobei Ulrich Ströher im Herbst 2025 nach kurzer, schwerer Krankheit verstorben ist.

( MITI )