Fotografien von Laurenz Berges

Fotografien von Laurenz Berges
Düsseldorf, 24. Juli 2026

Werk aus der Ausstellung im KIT

Als Teil des asphalt Festivals 2026 zeigt das KIT Düsseldorf derzeit Fotografien von Laurenz Berges, einem der letzten Meisterschüler von Bernd Becher an der Kunstakademie. Heute ist Berges selbst ein international renommierter Fotokünstler. Er lebt und arbeitet in Düsseldorf.

Immer wieder dokumentiert Berges verlassene Orte, wobei er ausschließlich das vorgefundene Licht nutzt und konsequent auf Inszenierung verzichtet. Seine Bilder sind stille Zeugnisse gesellschaftlicher und politischer Umbrüche, etwa des Strukturwandels in Nordrhein-Westfalen.

Vormals lebendige Städte und Gemeinden verlieren einen Teil ihrer Bevölkerung, Privatwohnungen werden verlassen, ohne dass eine neue Generation nachrückt. Menschen tauchen auf den Fotografien von Laurenz Berges selten auf, doch er dokumentiert die Spuren, die sie vor ihrem Verschwinden über viele Jahre hinweg hinterlassen haben.

In der besonderen Architektur des KIT mit ganz viel Sichtbeton und konvexen Formen entfaltet sich ein visuelles Archiv, das den leisen Nachhall gelebten Lebens sichtbar macht.

( Michael Tischer )

10 Jahre Sammlung Philara

10 Jahre Sammlung Philara
Düsseldorf, 23. Juli 2026

Die Sammlung Philara in der ehemaligen Glasfabrik Lennertz in Düsseldorf Flingern

Unter dem Titel „House of Balagan“ präsentiert die Sammlung Philara anlässlich ihres zehnjährigen Bestehens in Düsseldorf Flingern eine umfassende Auswahl aus der Sammlung Gil Bronners. Die Kollektion des Immobilien-Entwicklers und Philara-Gründers umfasst heute annähernd 2000 Werke.

Das nach Bronners Kindern benannte Ausstellungshaus in der ehemaligen Glasfabfrik Lennartz hat sich in den vergangenen Jahren als wichtiger Bestandteil der zeitgenössischen Kunstszene in Düsseldorf etabliert. Gezeigt wird eine große Bandbreite an Einzel- und Gruppenausstellungen, sowie Tanz, Theater, Konzerte, Talks und Symposien

Der Titel der aktuellen Jubiläumsausstellung „Balagan“ stammt aus dem Jiddischen und bedeutet so viel wie sympathisches Chaos, Durcheinander oder Kuddelmuddel. Der Begriff beschreibt eine verwirrende oder zumindest unübersichtliche Situation, was dem in Interviews immer wieder bekundeten Selbstempfinden von Bronner über seine Sammlungstätigkeit wohl nahekommt.

In „House of Balagan“ treffen großformatige Installationen von Melissa Gordon oder Tarik Kiswanson auf kleine, intime Papierzeichnungen von Rosa Loy oder Corinne von Lebusa. Auch Bronners allererster Ankauf vom Anfang der 1990er Jahre ist in der Ausstellung zu sehen: das Bildnis „Der Seher“ des spanischen Künstlers Miguel Ángel Campano.

Ein Teil der Ausstellung setzt mit gesellschafts- und geschichtspolitischen Bezügen inhaltliche Schwerpunkte, etwa beim Thema Körperlichkeit. Ein spannendes Potpourri mit Werken von teils bereits etablierten, aber auch aufstrebenden Künstlern.

( Michael Tischer )

Art Summer Pop-up Exhibition

Art Summer Pop-up Exhibition
Düsseldorf, 22. Juli 2026

Der arme Hund … Ausstellung in einem Fabrikloft in Düsseldorf-Flingern

Auch abseits der großen Kunstinstitutionen und Galerien finden in Düsseldorf immer wieder spannende Kunstaktionen statt. Vorige Woche habe ich eine exklusive Pop-up-Ausstellung in einem schicken Fabrikloft in einem Hinterhof in Düsseldorf-Flingern besucht.

Bei der privat organisierten Veranstaltung stellten die renommierten Düsseldorfer Künstler:innen Hilde Hüllwegen, Flör, Frank Müller und Franz Gregor Tess für drei Tage ihre Arbeiten aus Malerei, Skulptur- und Objektkunst vor. Einige der Werke haben mir richtig gut gefallen.

( Michael Tischer )

Jaume Plensa im MKM

Jaume Plensa im MKM
Duisburg, 21. Juli 2026

Skulptur „Flora“ vor dem Museum Küppersmühle

Ich bin weiterhin mit dem Womo in der Eifel unterwegs, aber hier passiert gerade nicht so viel außer Studieren, Musizieren, Wandern, Yoga, etc. Deshalb kann ich in dieser Woche über einige spannende Museumsbesuche berichten, die schon ein paar Tage zurückliegen.

Noch bis Anfang November präsentiert das Museum Küppersmühle in Duisburg die bislang umfassendste Einzelausstellung des renommierten spanischen Bildhauers Jaume Plensa mit zahlreichen großformatigen Skulpturen, Papierarbeiten sowie eigens für die Küppersmühle geschaffenen Wandzeichnungen,

Plensa ist international bekannt für seine eindrucksvollen Arbeiten im Öffentlichen Raum, die er seit über 20 Jahren weltweit präsentiert. Für internationale Aufmerksamkeit sorgte zuletzt sein Projekt „Secret Garden“ im Sommer 2025 anlässlich der Salzburger Festspiele auf dem Residenzplatz der Stadt.

In Deutschland hat Plensa Großskulpturen in Bonn-Bad Godesberg („Laurelle am Bahnhof“, 2024), Frankfurt am Main („Body of Knowledge“, 2010) und Potsdam („Gläserne Seele“, 2000) realisiert. Er ist einer der bedeutendsten universellen Künstler unserer Zeit.

Die Ausstellung im Museum Küppersmühle präsentiert eine große Skulptur im Eingangsbereich des Hauses – „Flora“ von 2021 – sowie eine spektakuläre Installation im Siloraum – „Invisible Anna“ von 2018: ein großer, transparenter Kopf aus Edelstahlstäben, dessen erhabene Ausstrahlung den Raum beherrscht und der dauerhaft an dieser Stelle ausgestellt werden soll.

In acht weiteren Räumen wird die formale und inhaltliche Bandbreite der Werke von Jaume Plensa mit Arbeiten aus verschiedensten Materialien anschaulich. Der Künstler arbeitet mit Marmor, Alabaster, Kunststoff, Bronze- und Eisenguss sowie Stahl in verschiedenen Maßstäben.

Plensas Werke sind rätselhaft und inspirierend zugleich. Der Künstler will mit seinen Arbeiten Brücken bauen, Fragen stellen, Schönheit in den Alltag der Menschen bringen; Verbindungen zwischen Menschen schaffen, ohne dass Hautfarbe, Ideologie, Religion oder Geografie eine Rolle spielen. Seine Arbeiten laden zur Kontemplation über uns selbst, über Schönheit und Erhabenheit ein.

( Michael Tischer )

Pengpeng, aber Doxi bleibt cool

Pengpeng, aber Doxi bleibt cool
Gemünd, 20. Juli 2026

Die feine Doxi: hebt nicht einmal mehr den Kopf, wenn es knallt

Seit dem Wochenende läuft in Gemünd, wo wir gerade mit dem Wohnmobil stehen, das jährliche Schützenfest. Auf dem Gelände des Schützenvereins hinter dem Kurpark, keine zweihundert Meter entfernt, wird teilweise über Stunden alle 60 Sekunden mit Kleinkalibergewehren geschossen.

Bei den ersten lauten Knallgeräuschen am Samstag hat Doxi noch ganz aufgeregt in die entsprechende Richtung geblickt, doch schnell hat sie verstanden: mit mir hat das alles offensichtlich nichts zu tun.

Mittlerweile zeigt sie keinerlei Reaktion mehr, wenn ein neuer Schießwettbewerb beginnt. Pengpeng, und sie hebt nicht einmal den Kopf. Nur wenn im Schützenzelt zum zehnten Mal DJ Ötzi läuft, schaut sie angewidert zur Seite

( Michael Tischer )

Teenager auf Abwegen

Teenager auf Abwegen
Herhahn, 19. Juli 2026

Oberhalb des Braubachtals: Drei Holsteiner Jungbullen auf Entdeckungstour

Heute Mittag hatte ich eine nette Begegnung mit drei Holsteiner Kühen auf einer Wanderung von Gemünd hinauf nach Herhahn. Ich wollte einen Abzweig oberhalb des Braubachtals ausprobieren, den ich bis dato noch nie gelaufen bin.

An einer T-förmigen Abzweigung des Weges traf ich auf eine Frau in Wanderbekleidung, die mitten in der prallen Sonne erstarrt zu sein schien und leicht verunsichert dreinblickte. Ich fragte, ob ich helfen könne, worauf die Dame energisch nach rechts zeigte: „Ja, da“.

Tatsächlich standen rechts drei kräftige Jungbullen auf dem Feldweg, die dort definitiv nicht hingehörten. Hinter ihnen eine eingezäunte Wiese, jedoch ohne erkennbaren Durchgang zum Feldweg.

Weil ich Kühe gerne mag und auch genau dort vorbei wollte, habe ich mich vorsichtig genähert und freundlich auf die drei Halbstarken eingeredet. Die schwarzweiß-gemusterte Truppe reagierte erst ein wenig ängstlich, dann aber neugierig auf mich. Nach einem kurzen Moment des Abtastens wollten alle Drei an meiner Hand schnuppern und lecken, wobei sich jeder vordrängelte.

Irgendwann reckte einer aus der Ausreißergruppe den Kopf markant nach vorne und brüllte mit geöffnetem Maul ohrenbetäubend los. Ich zuckte erst zusammen, aber tatsächlich brüllte es kurz darauf aus der Ferne zurück. Irgendwo dort hinten musste das Hauptfeld sein. Ich bin daraufhin losmarschiert, weil ich das so kenne, dass neugierige Kühe einem schon einmal gerne hinterher traben, sofern sie nicht gerade mit Äsen beschäftigt sind. Und so kam es auch.

Nach vielleicht zweihundert Metern auf dem Feldweg haben die Drei vor einem Durchgang durch den Maschendrahtzaun Halt gemacht, aus dem sie vielleicht auch gekommen waren. Einer der Kameraden traute sich erst nicht so recht hindurch, hat es aber schließlich auch geschafft. Sobald sie wieder ihre Home-Zone erreicht hatten, sind die drei Ausflügler regelrecht losgesprintet, schnurstracks in Richtung ihrer Horde, die man in der Ferne am Waldrand ausmachen konnte. Ausflug beendet mit Family Reunion im Rindsgalopp, sozusagen. Ganz süß sah das aus.

( Michael Tischer )