
Elfen im Garten Eden – ein typisches Motiv der Zeit
Viele Jahrhunderte war Kunst exklusiv den gehobenen Ständen vorbehalten: Adel, Kirche, später auch dem Großbürgertum. Kunst gab es in der Regel nur als Auftragsarbeit im Original, und wer sich dies leisten wollte, musste es ökonomisch zu etwas gebracht haben.
Das änderte sich erst im 19. Jahrhundert, als der Druck mit Ölfarben erfunden wurde. Vielfach auf geprägtem Papier mit Oberflächenstruktur, damit der Eindruck echter Leinwand entstand.Gerahmte Kunstdrucke wurden damit zum Massenprodukt, häufig von fliegenden Händlern auf Märkten oder von Haus-zu-Haus verkauft. Anbieter veröffentlichten ihr Repertoire in immer umfangreicheren Katalogen. Von teuren Großformaten über Miniaturen bis hinunter zu bedruckten Postkarten war für jeden Geldbeutel etwas dabei.
Erstmals zog damit auf breiter Form Buntheit in die von dunklem Holz und schweren Stoffen geprägten Stuben des 19. Jahrhunderts ein. Wer zu dieser Zeit ein neues Sofa oder Bett erwarb, bekam vielfach einen solchen Kunstdruck kostenlos zum „Beihang“ dazu – häufig im passenden Handtuchformat, wie es damals hieß: breit und mit geringer Tiefe.
Die dargestellten Motive stammten zunächst vor allem aus dem religiösen Bereich, Engel im Renaissance-Stil waren groß in Mode, ebenso wie der klassizistische Reigen der Elfen. Aber auch die Verherrlichung von Natur und Jagd zählten zu den typischen Motiven.

Jesus wird vom Kreuz abgehangen
Mit der wachsenden Säkularisation öffnete sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts das Themenspektrum.
In den Wilden Zwanzigern wurde es dann locker, leicht und manchmal sogar frivol, bevor mit dem Aufstreben der Nationalsozialismus wieder ein mehr konservatives und völkisches Klima in den Bildwelten aufzog.
Nach dem Zweiten Weltkrieg lebte der Markt im Wiederaufbau zunächst erneut auf, doch Ende der Fünfziger Jahre kam diese Form der Wohnraumgestaltung nach fast einhundert Jahren endgültig aus der Mode.
Weil da bereits Millionen von Drucken im Umlauf waren, wurden sie später zu einem günstigen Second-Hand-Produkt auf Flohmärkten. Die kunstvollen Rahmungen, die sich für Spiegel wiederverwenden ließen, waren dabei häufig mehr wert, als die eigentlichen Druckbilder.
Erleben kann man die bunte Welt der Kunstdrucke seit 2010 im Feld-Haus Museum für populäre Druckgrafik in Neuss, das ich heute zum ersten Mal im Rahmen einer Führung besucht habe.
Die Sammlung geht auf die langjährige Direktorin des Clemens Sels Museums Neuss, Dr. Irmgard Feldhaus, zurück, die regelrecht eine Leidenschaft für diese spannenden papierenen Zeitzeugen entwickelte. Die heute mehr als 9.000 Objekte umfassende Feld-Haus Sammlung fußt auf der großzügigen Schenkung ihrer bedeutenden Sammlung an die Stadt Neuss im Jahre 2006.
Rund 300 Exponate der Ursprungssammlung werden in der Dauerausstellung präsentiert. Zusätzlich beleuchtet ein abwechslungsreiches Ausstellungsprogramm die vielen Facetten der Populären Druckgrafik in ihren kunst- und kulturhistorischen Kontexten. Wir waren heute bei der Führung nur zu dritt, woraus sich eine lebendige Interaktion mit der Kuratorin entspann. Das war richtig nett und auch sehr lehrreich.







