
Foto aus dem Eingangsbereich des Besucherzentrums mit dem Aufzug, der Möllerhalle und der Hochofengruppe
Von der Gebläsehalle bis zum Paradies: Man kann die Urban Art-Biennale nicht besuchen, ohne in das Labyrinth von Gängen, Hallen und den gigantischen Anlagen der Völklinger Hütte einzutauchen.
Das 1873 gegründete Eisenwerk wurde 1986 stillgelegt. In den mehr als einhundert Jahren seines Bestehens wurden dort 40 Millionen Tonnen Roheisen und 34 Millionen Tonnen Rohstahl produziert.Bedeutende Innovationen der Stahl- und Eisenproduktion wurden in Völklingen gemacht und setzten sich von dort aus weltweit durch: etwa die 1911 eingeführte Trockengasreinigung.
Mit ihr konnte das extrem heiße Gichtgas aus dem Hochofen gereinigt und anschließend für den Antrieb der Gasgebläsemaschinen und zum Vorheizen der Koksbatterien genutzt werden.
Seit 1994 gehört das rund 10 Hektar große Gelände zum UNESCO-Weltkulturerbe. Folgt man vom Besucherzentrum der vorgeschlagenen Route durch die zahllosen Anlagen, ist man mindestens zweieinhalb Stunden beschäftigt und klettert dabei bis zu 45 Metern hinauf. Der Mensch wird dabei ganz klein im Vergleich zu den Schloten, Hochöfen und riesigen Maschinen, von denen die Eisen- und Stahlproduktion angetrieben wurde.
1965, auf dem Höhepunkt der Produktion, arbeiteten hier bis zu 17.000 Menschen. Heute erzielen moderne Stahlwerke mit einem Zehntel an Beschäftigten weit mehr als das Zehnfache der früheren Jahresproduktion auf der Völklinger Hütte – ein Zuwachs um den Faktor einhundert.
Seit den 2000er Jahren empfängt die Hütte jährlich mehr als 100.000 Besucher und beeindruckt als menschengemachtes Relikt des Industriezeitalters. Auch ich bin bei meinen Besuchen regelmäßig beeindruckt von der Größe der Anlage und wie sich die Natur das riesige Areal Schritt für Schritt zurückerobert. Nur mit viel Aufwand kann das an den für Besucher interessanten Maschinen und Anlagen verhindert werden. Werden und Vergehen alles Menschengemachtem, das wird hier physisch erlebbar.






