Ausstellungswand „das kleine Format“ mit Preisen ab 400 Euro
Heute ist der erste Tag nach meiner Zahn-OP, an dem ich wieder etwas unternehmen kann. Und da bin ich gleich mal nach Düsseldorf gerollt, um mir die GROSSE im Ehrenhof anzuschauen.
Die älteste und größte Verkaufsausstellung, die von Künstler*innen für Künstler*innen organisiert wird, zeigt in diesem Jahr mehr als 650 Kunstwerke im Kunstpalast, im NRW-Forum und im Außenbereich zwischen den beiden Museen.
Nahezu alle Medien und Genres der Gegenwartskunst sind vertreten: Expressives, Konzeptuelles, Experimentelles, Ornamentales, streng-geometrisch oder wild-gestisch, massiv oder zart, abstrahiert oder hyperrealistisch.
Die Bandbreite der gezeigten Exponate ist groß, ebenso wie die Preisspanne der ausgestellten Werke. Schon ab 400 Euro lassen sich Originale im „Kleinen Format“ erstehen, 60.000 Euro werden für das teuerste Kunstwerk der Ausstellung aufgerufen.
Mir haben in diesem Jahr deutlich mehr Exponate gefallen, als im vergangenen. Alle meine Favoriten passen gar nicht in einen Beitrag, deshalb hier nur der erste Schwung. Teil 2 und 3 folgen.
Die Teppiche dienen als Aufstehhilfe für Doxi am Morgen
Arme alte Doxi, kommt mit ihren schwächer werdenden Hinterläufen auf den glatten Fliesen an ihrem Lagerplatz in der Diele nicht mehr gut hoch. Zweimal ist das nun schon passiert, und jedes Mal hat sie mich ganz verzweifelt angeschaut, bis ich ihr dann wieder auf die Sprünge geholfen habe.
Doch in diesem Fall fällt die Abhilfe nicht schwer: Ich habe den Flur einfach mit rutschfesten Teppichen ausgelegt. Die haben viel mehr Grip und darauf kommt sie auch gut hoch. Und dann steht sie dort morgens wieder und wedelt mich an. Das ist doch schön.
Puh, für jemanden, der nicht gerne zum Zahnarzt geht, sind 90 Minuten Kieferchirurgie schon nicht ohne. Ich wusste bereits länger, dass ein angebrochener Weisheitszahn im Oberkiefer entfernt werden muss, und nun habe ich es endlich machen lassen.
Allerdings hätte ich nicht mit einer so blutigen und stellenweise brutalen Aktion gerechnet – aber der Kieferchirurg anfangs wohl auch nicht. Auf halber Strecke der OP musste er noch einmal die Technik wechseln, weil die Zahnwurzel so komplex mit dem Kiefer verwachsen war und einfach nicht herauskommen wollte. Also Zahnfleisch aufschneiden, Kieferknochen freilegen und abhobeln. Dann an die Zahnwurzel heranarbeiten und diese mit grober physischer Kraft stückweise herausbrechen.
Natürlich war ich gut in Zahnfleisch und Gaumen sediert, aber mental habe ich die gesamte Prozedur nur einigermaßen überstanden, weil ich die ganze Zeit mit der Wiederholung meines Mantras beschäftigt war. Teilweise habe ich dadurch gar nicht schnell genug auf die Anweisungen des Arztes reagiert, weil ich mich so weg getrancet habe.
Hat das viele Meditieren in den letzten beiden Jahrzehnten also doch mal etwas gebracht, wie schön! Fünf Tage darf ich jetzt kein Sport und auch kein Yoga betreiben. Dafür ist die Wunde wohl zu groß und sie musste auch aufwändig vernäht werden. Aber egal, ich hab’s überstanden, und das bei vollem Bewusstsein.
Nur eines von mehreren mühevoll herausgebrochenen Zahnstücken
Blick in den Plenarsaal, sozusagen das Herz des Landtags
Heute habe ich den Tag der offenen Tür im Landtag NRW genutzt, um mir das architektonisch markante Gebäude unmittelbar am Rheinknie einmal von Innen anzuschauen. Denn so einfach und ohne Voranmeldung kommt man dort sonst gar nicht hinein. Das wollte ich ausnutzen.
Besonders viel los war im Landtag zur Mittagszeit nicht, auf jeden Fall kein Vergleich zu dem in unmittelbarer Nähe stattfindenden Frankreich-Fest mit zahlreichen Imbiss- und Verkaufsständen entlang der Rheinuferpromenade. Doch das war mir und einigen anderen Hobbyfotografen ganz Recht, denn dadurch konnte man im Landtag relativ ungestört Fotos machen.
Das aktuelle Landtagsgebäude wurde ab Beginn der 1980er Jahre errichtet und 1988 bezogen. Zuvor hatte der Landtag seit 1949 im ehemaligen Ständehaus am Schwanenteich getagt, das heute das Museum K21 beherbergt, jedoch für die parlamentarischen Anforderungen von Beginn an zu wenig Platz bot.
Den Entwurfswettbewerb für den neu zu schaffenden Landtagskomplex gewann 1981 das Architekturbüro Eller, Moser, Walter + Partner. Das dem Entwurf zugrunde liegende „Spiel mit Kreisen“ soll zum Ausdruck bringen, dass im Parlament die Räder ineinandergreifen wie bei einem Uhrwerk.
Beim Blick auf das Landtagsmodell im Foyer zeigt sich, wie Kreise und Kreissegmente die Architektur des Gebäudekomplexes prägen: In der Mitte steht der kreisrunde Plenarsaal. Drumherum gruppieren sich wie Satelliten die ebenfalls kreisrunden Sitzungs- und Fraktionssäle.
In weiteren kreisförmigen Elementen sind dazwischen Besucheraufzug, Abgeordnetenrampe und Ausschusssäle eingesetzt. Und schließlich öffnet sich der Haupteingang des Landtags als Dreiviertelkreis zu einem Vorplatz, der fließend in die Rheinuferpromenade überleitet.
Der Gegensatz zwischen großflächigen transparenten Fassaden aus Glas und Kupfer sowie von massiv wirkenden Pfeiler- und Mauerstrukturen, die mit Sandsteinplatten verkleidet sind, kennzeichnet das äußere Erscheinungsbild.
Auch vierzig Jahre nach seiner Errichtungwirkt der Bau auf mich luftig und modern. Nur an den vielen Kupferoberflächen erkennt man meiner Ansicht nach den vergangenen Design-Geist der Achtzigerjahre. Ich vermute, das würde man heute etwas anders machen. Aber immer noch ein gelungener, harmonischer Baukörper, in dem auch viel Kunst aus NRW präsent ist.
Modell des Landtags
Vorplatz mit Eingang
Gleich daneben: Der Rheinturm.
Aufzug zum Plenarsaal
Blick zum Düsseldorfer Medienhafen und zum Rhein
Aufgang in den Plenarsaal
Einer von fünf Fraktionssälen
Raum der Stille, allen Religionen zugänglich
Aufbau des Plenarsaals
Plenarsaal
Kunst am Eingang zum Plenarsaal
Jörg Immendorff, Malrede, 2006
Hommage an das Ruhrgebiet: Adrian Bedoy, Heritage, 2020
Erste Ausmalung der Kunsthalle für das Rheinland und Westfalen im April durch Navot Miller aus Israel
Was macht ein Museum ohne eigenen Bestand, wenn es eine Woche vor der lange angekündigten mehrjährigen Schließung wegen Komplettsanierung erfährt, dass diese erst einmal ausfällt und der Spielbetrieb trotz fehlender Vorbereitung auf neue Ausstellungen ganz normal aufrechterhalten werden soll?
Dann ist guter Rat teuer. So geschehen dem Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen in Düsseldorf mit seiner großen Kunsthalle am Grabbeplatz, nachdem der Rat der Stadt Düsseldorf im Frühjahr 2026 kurzfristig seine weitreichenden Ankündigungen und Pläne auf unbestimmte Zeit verschoben hat.
Der Kunstverein hat deshalb flugs aus der Not eine Tugend gemacht und fünf Künstler gesucht, um die gesamte Ausstellungsfläche des Gebäudes auszumalen – nicht gemeinsam, sondern nacheinander und jeder für sich für jeweils vier Wochen.
Anschließend werden alle Flächen wieder weiß getüncht und der nächste Künstler:in darf ans Werk. So will man fünf Monate überbrücken – Zeit genug, um die nächste große Ausstellung mit den Werken eines Künstlers vorzubereiten.
Aktuell ist der dritte Zyklus von „Work in Progress“ mit dem Künstler Federico Herrero (*1987) aus Costa Rica abgeschlossen. Davor war Rosilene Luduvico (*1969) aus Brasilien einen Monat am Werk und davor als erster Künstler Navot Miller (*1991) aus Israel.
Im Juli folgen nun Stefan Marx (*1979) aus Hamburg und zum Abschluss im August Joelle Dubois (*1990) aus Belgien. Eine wirklich kreative Aktion, die das Innere des Gebäudes alle vier Wochen in ganz neuen Farben und Ausmalungen erstrahlen lässt. Dreimal war ich schon dabei und die letzten beiden Runden möchte ich mir ebenfalls nicht entgehen lassen.
Eintauchen unvermeidlich: Inszenierung im Kellergeschoss des K21.
Eine irre Ausstellung. An einigen Stellen Reizüberflutung pur. Und dennoch lohnt es sich, nicht gleich wegzurennen, denn Jon Rafmann (*1981), einer der bedeutendsten Künstler unseres Medienzeitalter, hat etwas zu sagen. Und schafft dabei ganz spektakuläre Videos und immersive Installationen.
Rafmans Fragestellung lautet, wie die digitale Kultur Begehren, Identität und Erfahrung neu prägt.
Seine virtuos erzählten Geschichten spielen in digital erzeugten Bildwelten, in denen Gegensätze wie Aufrichtigkeit und Ironie, Schönheit und Groteske, Verbundenheit und Entfremdung nebeneinander existieren.
Er greift dabei auf Internet-Subkulturen, virtuelle (Gaming-) Welten und KI-generierte Bilder zurück. Seine künstlichen Realitäten wirken verführerisch und verunsichernd zugleich.
Die Ausstellung im Kellgergeschoss des Düsseldorfer K21 gibt mit immersiven, raumfüllenden Installationen einen Überblick über Rafmans Schaffen seit 2008. Neben seinen frühen Werken sind auch spätere Arbeiten wie das Video in Spielfilmlänge „Dream Journal“ zu sehen, das 2019 auf der 58. Biennale in Venedig gezeigt wurde. Rafmans jüngstes Werk, „Main Stream Media Network“ (2025), beschwört mit KI-generierten Musikvideos das kulturell einflussreiche MTV der 1980er-Jahre herauf.
Mich hat besonders die Arbeit im hintersten Saal (der mit den runden Bullaugenfenstern zum Schwanenteich hin) fasziniert. In schnell wechselnden Szenen erzeugt Rafman darin vielfältige Bildwelten einer technischen Zivilisation, die immer mehr von Naturgewalten überflutet wird und dennoch einfach weitermacht, als würde nichts geschehen. Wassermassen im Fahrstuhl, im Kaufhaus, bei McDonalds und immer wieder flutende Landschaften aus der Autofahrerperspektive gefilmt und durch computergenerierte Szenen in der Fiktion fortgeführt. Das alles hat etwas sehr Amerikanisches, ist nach meinem Empfinden aber auch hervorragend inszeniert. Eine anstrengende, aber lohnende Schau.
Welch ein Kontrast: Heile Welt unter der Glaskuppel des K21
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