Menschen, die in Museen schlafen

Menschen, die in Museen schlafen
Leverkusen, 16. Juni 2026

Eine Fotoserie von Stefan Draschan

Stefan Draschan (*1979)  ist mir bereits mit seinen ganz hervorragenden Fotoaufnahmen aus der Serie „People Matching Artworks“ aufgefallen. Darin zeigt er Museumsbesucher beim Betrachten von Meisterwerken, wobei deren Kleidung, Gestik oder Frisur auf verblüffende Weise mit den Bildinhalten harmoniert und im Dialog zu stehen scheint. Einige dieser Motive aus einer Ausstellung in Monschau sind auch hier im Blog zu sehen.

Eine weitere Serie von Draschan trägt den Titel „People Sleeping in Museums“, was ja zunächst einen Widerspruch darzustellen scheint. Schließlich könnte man meinen, Menschen besuchen Museen, um hellwach die Aufmerksamkeit auf die ausgestellten Objekte zu richten.

Doch das ist sich nicht immer so: Als Schulklasse, Teil einer Gruppenreise oder anderen erzwungenen Bedingungen ist man mitunter vielleicht gar nicht so interessiert und von den Ereignissen der letzten Nacht oder der letzten Tage einfach erschöpft. Solche Momente hat Draschan in seiner Fotoserie, von der ich jetzt einige Motive im Museum Morsbroich entdeckt habe, meisterhaft eingefangen.

( Michael Tischer )

Wanderung Saarschleife Mettlach

Wanderung Saarschleife Mettlach
Mettlach, 15. Juni 2026

Fruchtbares Land an der Saar

Sie zählt zu den touristischen Highlights des Saarlandes: Die baumbestandene Saarschleife bei Mettlach. Auf einer meiner ersten großen Womo-Touren vor 11 Jahren war ich schon einmal hier. Damals am Erlebniszentrum, von dem aus man die Schleife wunderbar betrachten kann. Das Zentrum wurde in der Zwischenzeit durch einen Baumwipfelpfad erweitert und ist weiterhin ein echter Besuchermagnet.

Doch heute bin ich auf der gegenüberliegenden Seite des Flusses unterwegs, auf der von der Saar umflossenen Halbinsel mit ihren steil zum Fluss abfallenden Hängen.

Die Talverengung der Saarschleife zwischen Besseringen und Dreisbach rührt daher, dass die aus dem Buntsandstein des Merziger Beckens kommende Saar dort in einen Abschnitt harten Quarzitgesteins eintritt.

Es ist nicht genau geklärt, warum es der Saar in der Vorzeit nicht gelang, den direkten Weg zwischen Besseringen und Mettlach zu wählen. Eine Möglichkeit wäre, dass die Saar bei ihrem Weg Klüften des devonischen Quarzit, also einer Schwächezone, gefolgt ist, und so die Saarschleife entstand.

Meine Wanderung heute startet am Ortsrand von Mettlach, das überregional als Firmensitz des Porzellanherstellers Villeroy und Boch bekannt ist. Vom Ortszentrum steige ich an der großen Kirche St. Lutwinuskirche vorbei über den Friedhof auf den Bergrücken der Halbinsel auf. Mein Ziel ist die Ruine der Burg Montclair, rund 1.500 Meter von der Spitze der Saarschleife entfernt.

Wanderung Saarschleife Mettlach

Brombeerblüte im Wald

Die Burg war im Mittelalter eine der bedeutendsten Befestigungen an der unteren Saar und diente der Kontrolle des Flusses als Verkehrsader. Mit annähernd 900 Metern Länge zählte die im Jahr 1351 geschleifte Vorgängeranlage „Alt-Montclair“ zu den größten Burgen des Hochmittelalters in Deutschland.

Die später entstandene und wesentliche kleinere Neuburg „Neu-Montclair“ ist ebenfalls nur noch als Ruine erhalten, doch die Reste wurden im 19. Jahrhundert konserviert und sind heute begehbar. Von den zwei Türmen hat man einen wunderbaren Blick auf die Saar und die gegenüberliegende Seite mit dem Saarschleifen-Besucherzentrum und dem Baumwipfelpfad.

Hinter der Burg geht es für mich über steile und eng bewachsene Wege inmitten des Hangwalds hinunter an die Saar und über die Staustufe Mettlach zurück in den Ort. Eine wirklich vortreffliche 11 km lange Tour, die mich die Saarschleife jetzt auch einmal von der anderen Seite hat erleben lassen.

( Michael Tischer )

Rebecca Horn im Skulpturenpark Waldfrieden

Rebecca Horn im Skulpturenpark Waldfrieden
Wuppertal, 14. Juni 2026

Zwei Werke von Rebecca Horn

Der Skulpturenpark Waldfrieden des Bildhauers und früheren Kunstprofessors Tony Cragg in Wuppertal ist immer wieder einen Besuch wert. Heute war ich zum ersten Mal seit drei Jahren dort, um zu schauen, was sich im Park getan hat und welche Objekte in den Wechselausstellungen aktuell gezeigt werden.

Noch bis Ende August 2026 ist die 2024 verstorbenen Künstlerin Rebecca Horn mit 13 teils großformatigen Skulpturen, Installationen und interaktiven Kunstwerken vertreten.

Die retrospektiv angelegte Schau vereint Werke aus vier Jahrzehnten und zeigt in allen Ausstellungshallen sowie in der Villa Waldfrieden das vielseitige, medienübergreifende Schaffen einer der bedeutendsten deutschen Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts.

Die Arbeit an ihren ersten Körperskulpturen, die sie während ihres Studiums an der Hochschule für bildende Künste Hamburg in den 1960er-Jahren als Kunststoffabformungen umsetzte, führten aufgrund der im Verarbeitungsprozess entstandenen giftigen Dämpfe zu einem langen Krankenhausaufenthalt der Künstlerin.

Aus dieser Erfahrung der Isolation sind Rebecca Horns Körperextensionen entstanden: Objekte, die den menschlichen Körper erweitern und die Horn in Performances präsentierte. Die Thematik von Fragilität, Verletzlichkeit und die räumliche Begrenzung menschlicher Existenz wurde zum zentralen Gegenstand ihres künstlerischen Werks.

Rebecca Horns Arbeiten sind weltweit ausgestellt worden. 1972 präsentierte sie bei der Documenta 5 erstmals ihre Körperextensionen. Bereits 1993 erhielt sie – als erste weibliche Künstlerin – im New Yorker Guggenheim Museum eine Retrospektive. Horn wurden im Verlauf ihres Schaffens zahlreiche internationale Auszeichnungen und Preise verliehen, darunter zuletzt: Praemium Imperiale for Sculpture (Tokio, 2010), Grande Médaille des Arts Plastiques (Paris, 2011), Orden pour le mérite für Wissenschaften und Künste (Berlin, 2016) und Wilhelm-Lehmbruck-Preis (Duisburg, 2017).

Insbesondere Horns Installation „Turm der Namenlosen“ von 1994, der auf das Schicksal der Menschen in Sarajewo während des Bosnienkriegs 1992 bis 1994 eingeht, beeindruckt mich sehr und ich hatte dieses Werk auch schon einmal auf einer Ausstellung gesehen. Ich glaube in Berlin.

( Michael Tischer )

3×3 Finale am Samstagabend

3×3 Finale am Samstagabend
Düsseldorf, 13. Juni 2026

In schneller Folge geht es auf dem Spielfeld und unter dem Korb hin und her

An diesem Wochenende verwandelt der D.Sports Circus die Düsseldorfer Innenstadt zum vierten Mal in eine Bühne für internationalen Spitzensport – bei freiem Eintritt für die Besucher. Speedklettern und 3×3-Basketball auf dem Burgplatz sowie Stabhochsprung an der Unteren Rheinwerft stehen in diesem Jahr auf dem Programm.

Das Speedklettern an einer 17 Meter hohen Wand am Freitag habe ich leider verpasst, obwohl ich mir das gerne angeschaut hätte. Aber beim Finale des 3×3-Basketball-Tourniers am Samstagabend bin ich trotz eines langen Tages noch rechtzeitig dabei.

Im Ausscheidungswettbewerb haben sich die Mannschaften aus Bochum und Toulouse für das Finale durchgesetzt. Das französische Team kann mit Franck Seguela und Jules Rambault zwei Silbermedaillengewinner der Olympischen Spiele von Paris 2024 aufweisen. Bei Bochum ist mit Denzel Agyemann ebenfalls ein hochkarätiger Spieler dabei, der erst vergangenes Wochenende bei der 3×3-WM Silber für Deutschland gewann.

Beim 3-x3-Baskettball spielen zwei Mannschaften mit jeweils 3 Spielern auf einem halbierten Basketballfeld auf einen Korb. Das Spiel läuft über 10 Minuten. Es gewinnt die Mannschaft, die am Ende der Spielzeit die meisten Punkte aufweist oder als erste 21 Punkte erzielt.

Durch diesen Rahmen entwickelt sich zumeist ein kurzweiliges und abwechslungsreiches Spiel. In schneller Folge geht es hin und her, im Hintergrund läuft pulsierende Musik, die Zuschauer gehen intensiv mit. An diesem Abend hat Toulouse die Nase vorn und gewinnt mit 18 zu 15 den Siegerscheck über 2.000 Euro.

Schön, dass ich das Live erleben konnte. Leider sprang hinterher mein Motorrad nicht mehr an, sodass ich anderthalb Stunden auf den ADAC warten musste, bis der mir schließlich Starthilfe gab. Eine gute Gelegenheit, in der Wartzeit das intensive Treiben in der Düsseldorfer Altstadt an einem sommerlichen Samstagabend zu beobachten. Wahnsinn, was da abgeht: Menschenmassen, Schickgemache, Rumgeprolle …

( Michael Tischer )

Günther Uecker im Arp Museum

Günther Uecker im Arp Museum
Bahnhof Rolandseck, 13. Juni 2026

Vor einigen Jahren habe ich die große Uecker-Ausstellung in Schwerin leider verpasst. Aber diesmal, im Arp Museum Bahnhof Rolandseck, am Rhein, kurz hinter Bonn, bin ich dabei.

Die umfangreiche Ausstellung mit Werken aus allen Schaffensphasen ist die erste nach dem Tod des Künstlers (1930-2025) und die letzte, an der er noch selbst mitgewirkt hat. 

Sie würdigt den international bekannten Kunstschaffenden, der mit seinen ikonischen Nagelbildern und -reliefs Kunstgeschichte schrieb und als prägende Persönlichkeit der Künstlergruppe ZERO die Kunst der Nachkriegszeit revolutionierte.

Uecker war dem Künstlerbahnhof Rolandseck eng verbunden: Das Nagelrelief Bett zum Aufwachen (1965) befindet sich noch heute in der Museumssammlung. Der performative Film Die Treppe (1964) zeigt Uecker, wie er Bahnhofsvorplatz und -gebäude Nagel für Nagel erobert.

Günther Uecker im Arp MuseumIn dem architektonisch wunderbar gelungenen Arp Museum werden 45 Werke aus sieben Jahrzehnten gezeigt – von frühen Nagelobjekten über kinetische Installationen bis zu späten Serien, die Ueckers spirituelle Haltung und sein humanistisches Weltbild spiegeln.

Im Zentrum stehen Arbeiten, die „der Verletzlichkeit der Welt gewidmet sind“, so auch der Titel der Ausstellung. Sie sind Ausdruck eines Lebenswerks, das Frieden, Empathie und menschliche Verantwortung reflektiert.

Wie sagte Uecker einmal: „Da muss ein Nagel reingeschlagen werden, damit da Widerstand erzeugt wird, so dass Kunst eindringen kann in die Banalität von Leben.“ Für mich ist er ein Held. Verehrter Günther Uecker, ruhe in Frieden!

( Michael Tischer )

Die geheimen Gärten Rolandswerth

Die geheimen Gärten Rolandswerth
Rolandswerth, 12. Juni 2026

Übersetzen von Honnef nach Rolandswerth mit dem Art Museum im Hintergrund

Nahe der Anlegestelle der Rheinfähre Honnef liegen auf der linksrheinischen Seite am Ortsrand von Rolandswerth die „Geheimen Gärten“, die zwischen 2002 und 2004 von den Künstlern Caroline Bittermann und Peter Duka auf Basis des existierenden Lenzenparks geschaffen wurden. Die Arbeit war seinerzeit Teil des Langzeitprojektes „Skulpturenufer Remagen“ des Arp Museums Bahnhof Rolandseck.

Das Konzept der „Geheimen Gärten“ lehnt sich an die Schriften von Novalis (1772–1801) an. Im „Allgemeinem Brouillon“ von 1798 schrieb der Dichter: „Die vollendete Speculation führt zur Natur zurück“.

Diese Aussage wurde von den Künstlern in drei Teile aufgelöst: Der erste Teil „Die vollendete Speculation“ ist als Schriftzug auf dem Haupttor des Parks realisiert. Der zweite Teil wurde als Silbenrätsel auf einem übergroßen Pflanzen-Turm umgesetzt, der die Mitte des Parks bildet. Zuletzt steht der dritte Teil des Satzes „zur Natur zurück“ in Spiegelschrift über dem rückwärtigen Ausgang des Parks, der rekonstruiert worden ist.

Es wirkt alles ein wenig „phantastisch“ hier, aber genau das verbindet den Park perfekt mit dem Schaffen von Novalis. Es ist eine rhetorische Landschaft, die sowohl ein gestaltetes, an der Natur orientiertes bildliches oder textliches Fragment sein kann. Darüber hinaus ist der Garten mit seinen vielen Bänken auch ein sozialer Kommunikationsraum, der zum gemeinsamen Träumen einlädt.

( Michael Tischer )