Mein dritter Houellbecq

Mein dritter Houellbecq
Büttgen, 6. Mai 2026

Deutsche Ausgabe erschienen im Dumont-Verlag, Köln

Erst habe ich zwei Jahre lang fast gar keine Belletristik mehr gelesen, sondern nur noch Fachliteratur für mein Studium, und nun drei Romane des französischen „Skandalautors“ Michel Houellebecq hintereinander weg. Hatte ich wohl etwas Nachholbedarf.

Diese Woche habe ich den vorerst letzten Houellebecq zu Ende gebracht, „Karte und Gebiet“ von 2010. Und mich gleich danach wieder ins Studium geworfen. Jetzt erst einmal keine Romane mehr, das habe ich mir fest vorgenommen. Sonst wird es mit der nächsten Semesterprüfung nichts.

„Karte und Gebiet“ ist ein gut gemachter und schön zu lesender Roman, der allerdings ein Houellebecq-typisches Element vermissen lässt: Den Skandal. Keine Pornografie, keine Subversion, keine ketzerischen Anklagen. Dafür ein ganz besonderer Kniff, den man vielleicht nur Schriftstellern mit der Bekanntheit und der Chuzpe eines Houellebecqs zutrauen möchte. Denn der Autor bringt sich unter eigenem Namen und als Erfolgsschriftsteller der Gegenwart selbst in den Plot ein.

Nicht als Hauptfigur, das ist der einzelgängerische Künstler Jed, sondern als wichtige Nebenfigur, die der Künstler für seine Bildreihe „Menschen und ihr Handwerk“ porträtiert. Es sind diese Portraits von einfachen Handwerkern bis zu Industrie-Ikonen wie Steve Jobs, die Jed den ganz großen kommerziellen Durchbruch bringen und Houellebecq einen schmerzhaft-blutigen Gewalttod. Inklusive seines Hundes.

Den spannend konstruierten Zusammenhang will ich hier gar nicht spoilern, doch eines kann ich verraten: Das Lesen lohnt sich. Jetzt für wenige Euros im Gebrauchtbuchhandel erhältlich: „Karte und Gebiet“ von Michel Houellebecq.

( Michael Tischer )

Erich Kästner: Der Mai

Erich Kästner: Der Mai
Büttgen, 5. Mai 2026

von Erich Kästner, 1955

Im Galarock des heiteren Verschwenders,
ein Blumenzepter in der schmalen Hand,
fährt nun der Mai, der Mozart des Kalenders,
aus seiner Kutsche grüßend, über Land.

Es überblüht sich, er braucht nur zu winken.
Er winkt! Und rollt durch einen Farbenhain.
Blaumeisen flattern ihm voraus und Finken.
Und Pfauenaugen flügeln hinterdrein.

Die Apfelbäume hinterm Zaun erröten.
Die Birken machen einen grünen Knicks.
Die Drosseln spielen, auf ganz kleinen Flöten,
das Scherzo aus der Symphonie des Glücks.

Die Kutsche rollt durch atmende Pastelle.
Wir ziehn den Hut. Die Kutsche rollt vorbei.
Die Zeit versinkt in einer Fliederwelle.
O, gäb es doch ein Jahr aus lauter Mai!

Melancholie und Freude sind wohl Schwestern.
Und aus den Zweigen fällt verblühter Schnee.
Mit jedem Pulsschlag wird aus Heute Gestern.
Auch Glück kann weh tun. Auch der Mai tut weh.

Er nickt uns zu und ruft: „Ich komm ja wieder!“
Aus Himmelblau wird langsam Abendgold.
Er grüßt die Hügel, und er winkt dem Flieder.
Er lächelt. Lächelt. Und die Kutsche rollt.

( Michael Tischer )

Wunderschöne Bonsais

Wunderschöne Bonsais
Düsseldorf, 4. Mai 2026

Blühender Bonsai im Wonnemonat Mai

Gestern habe ich den Tag der offenen Tür in der Bonsai-Werkstatt, einem auf Bonsai spezialisierten Gartenbaubetrieb in Düsseldorf-Hamm, genutzt, um mir einen Eindruck von den ausgestellten Bonsais zu verschaffen.

Die Bonsai-Werkstatt vereint ein Zentrum für die Anzucht und Gestaltung, ein Verkaufsgeschäft und die größte Bonsai-Schule Deutschlands unter einem Dach. Bonsai-Liebhaber können dort alles Wissenswerte und die notwendigen Fähigkeiten für die Zucht und Pflege von Bonsais erlernen.

Wie ich erfahren habe, sind die Kurse der „international bonsai school düsseldorf“ regelmäßig ausgebucht, womit ich nicht gerechnet hätte. Spannend fand ich auch, wie viele heimische Gehölze sich tatsächlich zu Bonsais heranziehen lassen und dass es auch blühende Bonsais gibt.

Für seine Arbeiten hat der Betrieb bereits zahlreiche Auszeichnungen erhalten. Alles wirklich sehr schön anzuschauen, darunter einige echte Prachtexemplare mit hohem Alter. Das höchste, was ich ausmachen konnte, war ein Sadebaum und eine japanische Eibe im Alter von 120 Jahre. So ein langes Leben in so kleinen Pflanzschalen. Wahnsinn!

( Michael Tischer )

Nature [continues]

Nature [continues]
Düsseldorf, 3. Mai 2026

In Folie eingeschweißte und konservierte Pflanzen aus den 1970er Jahren

Helmut Schweizer (*1946) ist ein deutscher Künstler, der seit vielen Jahren in Düsseldorf lebt und seit den 1970er Jahren als Konzept- und Aktionskünstler Anerkennung erfahren hat. Er nahm u.a. an der documenta IX in Kassel teil und ist in internationalen Sammlungen vertreten.

Nature [continues]Anlässlich seines 80sten Geburtstag zeigt das Museum für Europäische Gartenkunst im Düsseldorfer Schloss Benrath zahlreiche seiner Werke aus fünf Jahrzehnten künstlerischen Schaffens.

Schweizer gehört zu einer Generation, deren Blick auf Natur und Fortschritt durch historische Ereignisse geprägt wurde – von den atomaren Katastrophen des 20. Jahrhunderts in Hiroshima und Tschernobyl bis hin zu den ökologischen Herausforderungen der Gegenwart.

Seit den 1970er Jahren setzt sich Schweizer in seinen Arbeiten mit der Natur als schöpferischer und zugleich zerstörerischer Kraft auseinander. Seine ungewöhnliche Methode, Pflanzen nicht zu pressen oder zu trocknen, sondern in transparente Polyethylen-Folien einzuschweißen, führte zu experimentellen Herbarien, die sich über Jahrzehnte hinweg zu faszinierenden Zeitkapseln entwickelt haben.

Nature [continues]Während manche Pflanzen in ihren Hüllen langsam zerfallen, erscheinen andere nahezu unverändert und bewahren Spuren ihres Chlorophylls. So entstehen eindrucksvolle Bilder von Leben, Zeit und Vergänglichkeit. Diese Arbeiten thematisieren Natur als eigengesetzliche, unberechenbare Macht – als Ursprung von Schönheit und Leben ebenso wie als Ort von Risiko und Zerstörung. 

Wie kein zweiter europäischer Künstler seiner Zeit durchdringt und reflektiert Schweizer dabei die physikalischen, biochemischen und nuklearen Dimensionen der Natur und überführt dieses Wissen in Schönheit, Atmosphäre und Mahnung. Seine Arbeiten respektieren die Natur als eine Instanz, die sich nicht zwingen lässt und in deren Geschichte der Mensch nur eine Episode gewesen sein wird. Daher der Ausstellungstitel „nature [continues]“.

( Michael Tischer )

Neue Fahnen im Wind

Neue Fahnen im Wind
Büttgen, 2. Mai 2026

Mit den alten, nun abgehängten Fahnen wird auch der Winter verabschiedet. Die neuen Fahnen stehen für die Lebenskraft des Frühlings.

Einmal im Jahr muss ich die tibetischen Gebetsfahnen bei mir im Garten wechseln, weil sie der Wind zerfasert hat. Freunde fragen mich manchmal, warum ich nicht stabilere Fähnchen kaufe, aber genau darum geht es ja: Die Fähnchen sind Symbole der Vergängnis und es ist der Wind, der die darauf gedruckten Mantras und Segenswünsche in die Welt tragen soll. Auf dass sie Glück und Wohlergehen bringen mögen. Die Farben Blau, Weiß, Rot und Grün und Gelb sind dabei übrigens nicht willkürlich gewählt, sondern stehen nach tibetischer Tradition für die fünf Elemente Wasser, Äther, Feuer, Luft und Erde.

( Michael Tischer )

Erdbeer-Spargel-Salat auf Rucola

Erdbeer-Spargel-Salat auf Rucola
Büttgen, 1. Mai 2026

Den Spargel sieht man hier gar nicht, weil er sich unter dem Rucola versteckt …

Heute gibt es bei uns eine ganz besondere Kombination aus den drei In-Gemüsen der Saison: Weißer Spargel, grüner Spargel und Erdbeeren. Das Ganze auf Rucola-Salat mit Pinienkernen garniert und einer zuckersüßen weißen Vinaigrette. Obenauf gibt’s ordentlich frisch gemahlenen Pfeffer. Hört sich exotisch an und schmeckt auch durchaus ungewohnt – aber mundet!

( Michael Tischer )