
Ikonische Industriearchitektur: Die Zeche Zollverein in Essen
Die Zeche Zollverein in Essen, selbst ein Monument moderner Industriearchitektur, zeigt derzeit in der historischen Mischanlage der Kokerei eine spannende Architekturausstellung unter dem Titel „bau1haus – die Moderne von Essen bis Asmara“. Darin werden rund 300 fotografische Arbeiten präsentiert, mit denen der Berliner Fotograf Jean Molitor (*1960) seit 2009 herausragende Beispiele der klassischen Architekturmoderne eingefangen hat.
In mehr als 70 Ländern war Molitor mittlerweile auf seiner Spurensuche unterwegs, um zumeist Bauhaus-geprägte Architektur zu fotografierten. Ähnlich wie bei Bernd und Hilla Becher, die mit ihren Fotografien von Industriebauten den Blick für die Vielfalt und Ästhetik von Fördertürmen und Wasserspeichern schärften, steht für Molitor die Dokumentation der Bauten im Fokus.Und genau wie die berühmten Bechers orientiert sich Molitor bei seinen Arbeiten an der klassischen Architekturfotografie. Er fotografiert von einem erhöhten Standpunkt aus, möglichst wenig verzerrt und frei von allem, was nicht zur Architektur gehört. Das schärft den Blick auf das Wesentliche.
„Einige der fotografierten Gebäude sind mittlerweile abgerissen. In anderen Fällen haben die Fotos überhaupt erst darauf aufmerksam gemacht, dass es bessere Möglichkeiten als den Abriss geben kann“, erläutert der Fotograf.
Der internationale Fokus von Molitor macht die Sammlung einzigartig. Es sind Wohn- und Industriebauten darunter, Kirchen, Villen und Schulgebäude, Rathäuser, Tankstellen, sogar einige anthroposophische Gebäude im Geiste Rudolf Steiners.

Im Hintergrund: Video-Beitrag zur Vorgehensweise von Molitor
Die Bilder erzählen nicht nur eine Geschichte der Architektur, sondern auch ihrer globalen Verflechtungen. „Man sieht, dass der Globalismus nicht erst mit dem Internet begann“, erklärt der Fotograf. „Der Austausch von neuen Erkenntnissen ging schon immer auf Reisen – auch in die Kolonialgebiete europäischer Mächte“.
Ein Beispiel ist die Architektur im Stadtzentrum von Asmara, der Hauptstadt von Eritrea, die bis in die 1940er-Jahre unter italienischer Kolonialherrschaft stand und seit 2017 zum UNESCO-Welterbe zählt. Molitors fotografische Arbeit dort ist zugleich Teil eines größeren Diskurses über Erinnerungskultur, Verantwortung und die Frage, wie eine Auseinandersetzung mit Vergangenheit gestaltet werden kann.
Als großer Fan der Bauhaus-Architektur faszinieren mich Molitors Arbeiten sehr. Einige der präsentieren Bauten aus dem Rheinland, dem Ruhrgebiet und aus Ostdeutschland sind mir durch persönliche Besuche bereits vertraut, das Meiste ist jedoch neu für mich. Eine echte Offenbarung, sehr wirkungsvoll und zum Thema passend in Szene gesetzt vor dem Hintergrund der historischen Zechenarchitektur des UNECSO-Weltkulturerbes Zollverein.







Die gegenwärtige Ausstellung „X-Ray – Die Macht des Röntgenblicks“ in der riesigen Gebläsehalle der Völklinger Hütte widmet sich in 18 Kapiteln umfassend dem Phänomen der Röntgenstrahlen und den zahlreichen kulturellen und künstlerischen Aspekten des Röntgenblicks.