
So viel Betrug wie heutzutage im Internet gab es nie
So ein Mist, jetzt bin auch ich zum ersten Mal hereingefallen. Millionen Phishing-Mails landen täglich in deutschen Postfächern. E-Mail-Nachrichten, die fälschlicherweise vorgeben, sie stammen von der eigenen Bank, von einem Paketdienstleister oder vom ADAC. Und die alle nur eines wollen, dass man einen Link in der E-Mail anklickt, dadurch auf original aussehende, aber nachgemachte Webseiten gelangt und dort seine Kunden- oder Kontodaten eingibt. Damit die Kriminellen mit diesen Daten Böses anstellen können, im allerschlimmsten Fall das eigene Konto plündern.
So erging es mir heute mit einer vorgeblichen Mail meiner Online-Bank, dem größten Neo-Broker Deutschlands. Noch während ich auf der Fake-Webseite meine PIN und meine Handynummer eingab, bekam ich ein mulmiges Gefühl, blickte auf die URL im Browser, erkannte den Fake und brach den Vorgang ab.
Doch da hatten die Verbrecher schon meine PIN und die zugehörige Telefonnummer eingesammelt. War ich natürlich ganz schön elektrisiert und auch verärgert über mich selbst. Wo ich doch solche Phishing-Mails sonst zehnmal am Tag routiniert erkenne und sofort lösche. Aber mindestens genauso unangenehm wurde es im Anschluss, als ich sofort die Hotline meiner Bank anrief.
Nachdem ich mein Anliegen erklärt hatte, wollte man mich zur Betrugsabteilung weiterleiten. Ich wartete zehn Minuten in der Leitung, doch nichts geschah. Na gut, das Ganze nochmal – wieder alles erklären, aber erneut vergebliches Warten auf die Betrugsabteilung. Und nochmal. Und nochmal. Nach vierzig Minuten habe ich entfernt aufgegeben. Das darf doch nicht wahr sein! Wenn man sie mal wirklich braucht, lassen sie einen hängen.
Doch dann kam es noch doller. Eine Berliner Nummer rief mich zurück. Ein freundlicher Herr, angeblich von der Bank, der mich fragte, ob ich gerade hereingefallen sei und mich nun durch die App auf dem Smartphone lotsen wollte. Aber wohin? Das alles kam mir auch schon komisch vor und noch krasser wurde es, als die Smartphone App der Bank in fetter roter Schrift anzeigte: Sie werden gerade nicht von uns angerufen. Oh, Gott, so professionell sind die Betrüger mittlerweile geworden, betreiben Call-Center und können Rufnummern fälschen. Habe ich natürlich sofort aufgelegt.
Das Ende vom Lied: Ich habe meine PIN in der Smartphone-App der Bank selbständig geändert, sodass die Betrüger auf keinen Fall auf mein Konto Zugriff erhalten. War auch noch nicht zu spät, aber ich bin jetzt natürlich achtsam, ob etwas Unerwartetes mit meinem Konto geschieht. Und ganz schön erbost über die schlechte Performance meiner Bank in dieser hochnotpeinlichen Krisensituation. Vielleicht sollte ich einfach das Konto kündigen und mein Geld auf ein anderes Bankinstitut transferieren. Dann ist wenigstens garantiert, dass die Betrüger garantiert keinen Schaden mit den erbeuteten Daten mehr anstellen können.






